Manfred Hönig - Kunstmaler
Manfred Hönig - Kunstmaler
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Postindustrielle Landschaften

 

Warum postindustrielle Landschaften? Nun immerhin sind wir mitten im Wandel zu einer postindustriellen Gesellschaft. Davon abgesehen können wir heute klar erkennen welche Folgen uns das Industriezeitalter hinterlässt. Klimaverschie bung, Wüstenbildung, Prozesse die wir zu Leb zeiten nicht mehr umkehren werden. Die Zeiten eines naiven Glaubens an den Fortschritt sind wohl vorbei.

Autos sind für mich ein zentrales Symbol für den Glauben an Technik und das Grenzenlose des Fortschritts. Vor allem die amerikanischen Autos der goldenen Jahrzehnte von 1950 bis 1970 symbolisieren das "Bigger is Better" perfekt. Davon abgesehen haben sie auch einen gewissen dekadenten Charme.

Wüsten sind Landschaften, die manche faszinieren, andere aber erschrecken, es ist schwer ihnen gegenüber neutral zu bleiben. Ihre Leere und Stille zwingt uns dazu, sie mit der eigenen Lebendigkeit zu füllen.

Gleichzeitig sind sie eine der Auswirkungen unserer Zivilisation, die ständig neue Wüsten schafft. Die Kombination von Autowracks und Wüsten ist daher naheliegend in ihrer Symbolkraft.

Die entstandenen Gemälde sind dabei Rekombinationen von gesehenen und gefühlten Elementen, die zufällige Natur liefert dem Maler schließlich selten schon die perfekte Komposition.

Gesehenes und Erlebtes ist also Anlaß für das Bild, entsprechend wird es von mir komponiert. Dabei versuche ich im Malprozess ein Gefühl von Realität und Erlebbarkeit zu erzeugen, das dem Betrachter die Distanz zum Bild nimmt, es ist eben nicht nur etwas Gemaltes, sondern es erscheint quasi dokumentarisch und echt, eine Wirklichkeit abbildend, mit der man sich in irgend einer Form auseinandersetzen muß.

 

Architektur - Industrie

 

Industrieruinen beleuchten den Wandel unserer Gesellschaft auf eine weitere Weise. Auch diese scheinbar festgefügten Monolithen unserer Kultur werden vom Zahn der Zeit zernagt. Ihrer Funktio nalität beraubt, werden sie zu weiteren Spuren, die man in einer quasi parallel laufenden archäolo gischen Verwertung unserer Kultur sichern kann. Venedig, in seiner Einzigartigkeit, demonstriert auf wundervolle Weise die Schönheit die in der Tragik und Morbidität des Zerfalls liegen kann.

Beides aber liegt weit weg von der Banalität unserer sonstigen gewohnten Lebensumwelt, den uniformen Vorstädten und funktionalen Strukturen und Städten von denen wir umgeben sind und die uns in ihrer Alltäglichkeit zum gedankenlosen Umgang mit unserer visuellen Umwelt verführen.

Der Moment des Innehaltens und bewußten Wahr nehmens dessen was wir sehen, passiert viel zu selten.

Mit dieser Serie will ich also visuelle Momente schaffen die zu einem anderen und bewußteren Sehen zwingen, rätselhafte Zeitfenster, die Fragen aufwerfen und uns die Möglichkeit geben dem Empfinden an diesen Orten nachzuspüren, könnten oder würden wir sie denn besuchen. Naturgemäß entstehen manche dieser Bilder in sehr aufwändigen Montagen mit entsprechendem Konstruktionsaufwand. Der Trick dabei ist, daß am Ende doch alles zusammenpasst, und plausibel im Sinne von "real" wirkt.

 

Urlandzyklus

 

Landschaften interessieren mich seit Jahren in ihren verschiedensten Erscheinungsformen. Ob als urgewaltige menschenleere Landschaft, als ästhetisch empfundene zivilisierte Landschaft oder als Relikt und Vergegenwärtigung zivilisatorischer Zerstörung, das Thema ist vielschichtig.

Der emotionale Gehalt der Landschaft und ihrer Erscheinungsformen spielt dabei ebenso eine Rolle, wie der rein "malerische" Reiz, der ja ebenfalls empfunden werden muß, um eine Szenerie zum Thema zu wählen. Die Bilder des Urlandzyklus reflektieren dabei Landschaften in denen menschliche Spuren nicht oder nur marginal vorkommen. Sie reduzieren uns in ihrer Gewaltigkeit zu einer zwergenhaften Anekdote, lassen uns die Größe und gewaltige zeit liche Dimension der Natur nachempfinden. Damit relativiert sich die sonst als so bedeutend wahrgenommene Größe unserer Zivilisation auf eine periphere Randerscheinung. Dasselbe gilt auf der individuellen Ebene, unsere Wichtigkeit schrumpft, wenn wir uns in den gewaltigen Zusammenhang von Natur und Welt stellen. Dies ist immer eine Gelegenheit unsere persönlichen Wertesysteme zu überprüfen.

Neben diesem Aspekt bietet aber das Gewaltige und Schöne der Landschaft auch die Möglichkeit des "Einswerdens" mit diesem größeren Ganzen, mit der Kraft des Lebens.

Überhaupt sehe ich die Landschaft als ein Thema, das immer das Potential einer starken emotionalen Wechselwirkung mit uns Menschen besitzt und zwar auf einer durchaus tieferen, metaphysischen Ebene.

Diese Wechselwirkung zu formulieren und durch entsprechende Veränderung und Erfindung bei gesehenen Szenen zu steigern ist das Ziel meiner Arbeiten.

 

Porträt

 

Beim Porträt steckt für mich der Mensch in der Realität seiner Physiognomie. Diese ist für mich stets direkter Ausdruck seiner Befindlichkeit und seiner Erfahrung. Das Leben gräbt seine Spuren in jedes Detail. Von daher neige ich zu keiner karikierenden Verzerrung seiner Erscheinung, die zwar geeignet sein mag Einzelaspekte zu betonen, den Menschen an sich, in seiner Gesamtheit gesehen, meiner Meinung nach aber nur unvollkommen abbildet. Das Erscheinungsbild des Menschen spiegelt für mich also seine psychische Realität wider, das symbolhaft-abstrakte dient dagegen zwangsläufig einer Darstellung allgemein menschlicher Befindlichkeiten. Natürlich interpretiert man dabei als Maler trotz dem, schon allein durch Komposition und Auswahl der Situation, des Moments.

Im Zeitalter der beliebig verfügbaren Massenfotografie wird die Bedeutung realistischer Porträtmalerei gerne immer wieder angezweifelt, wie auch oft das realistische Malen generell, deshalb hier ein paar Gedanken zu diesem Thema.

Der Fotoapparat wird wie jedes technische Gerät gerne überschätzt, denn im Endeffekt bildet er nur dumm ab, was ihm vor die Linse kommt. Der Maler hat dagegen eine unendliche Menge an Entscheidungsmöglichkeiten mit jedem Strich den er setzt, er entscheidet ständig. Diese Entscheidun gen betonen für ihn Wichtiges und unterdrücken Bedeutungsloses. So kann man nicht zuletzt einem Porträt eine räumliche Präsenz mitgeben, die ich in den besten Photoabzügen nie finden konnte, kein Wunder, denn er kann den Raum nicht im Detail interpretieren. Das heißt nicht, das man nicht gute Fotos machen kann, das hängt schließlich vom Blick des Fotografen ab, aber man kann Foto und Malerei nicht vergleichen, denn sie arbeiten völlig verschieden. Als Hilfsinstrument für den Maler ist ein Foto natürlich trotzdem praktisch, der heutige Realismus war vor der Photografie nicht möglich.

 

Natura Morte

 

Stillleben sehe ich als einen weiteren Aspekt des Spurensammelns. Gegenstände stammen aus einer bestimmten Zeit, wurden von Menschen hergestellt und gingen im Laufe der Zeit von Mensch zu Mensch weiter in ihrem ganz eigenen Zeitfenster. Damit gewinnen sie Bedeutung auf verschiedenen Ebenen, bzgl. Zeitepochen und ihren Besitzern. Wäre das trivial, würde der Mensch nicht in gigantischer Sammelwut Museum über Museum mit Objekten füllen, würden nicht Millionen von Menschen sie betrachten. Fakt ist, genauso wie wir uns über das definieren was wir produzieren, so definieren wir uns über das, was wir besitzen. Eine der Spuren die wir im Leben hinterlassen sind die Objekte von denen wir umgeben waren, die etwas über uns als Mensch erzählen.

Damit ist es vielleicht klar, das Stillleben auf ver schiedenen Ebenen etwas erzählen können oder bei uns Assoziationen auslösen können. In dem Maße wie man als Betrachter sich und seine Erinnerungen in Objekten eines Bildes wiederfindet, wird man in die eigenen Geschichten eintauchen können, die sich mit diesen oder ähnlichen Objekten verbinden. Was werden wir hinterlassen, was werden unsere Spuren sein?